Anna-Tabea Aberle war ein Jahr lang Praktikantin im Franziskanermuseum. In diesem Blogbeitrag berichtet sie von ihren Erlebnissen und Eindrücken zwischen glücklichen Kindergeburtstagen, gruseligen Steinköpfen und der neuen Welt der analogen Zeitung.

Die häufigste Frage, die mir dieses Jahr gestellt wurde, war: „Wie kommt man auf die Idee, sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Museum zu absolvieren?“. Die Antwort ist relativ simpel. Nach meinem Abitur wusste ich noch nicht, ob ich studieren oder eine Ausbildung machen möchte. Also entschied ich mich erst einmal für ein FSJ. Dabei wollte ich aber nicht in den Rettungsdienst, ins Krankenhaus oder in den Kindergarten. Über die städtische Internetseite stieß ich auf die Möglichkeit, ein FSJ im Franziskanermuseum zu absolvieren. Die Mischung aus Museumspädagogik und Verwaltungsarbeit klang spannend und interessant und so bewarb ich mich auf die Stelle, die ich dann glücklicherweise auch erhielt.

An die neue Situation musste ich mich erst einmal gewöhnen. Acht Stunden Arbeit mit einer Pause dazwischen waren etwas anderes, als ich von der Schule her kannte. Doch mit der Zeit wurde es eine Selbstverständlichkeit. Dazu trugen auch meine lieben Arbeitskollegen bei, die mich herzlich aufnahmen und mir stets halfen.

Anna-Tabea Aberle bei einer Unterrichtsstunde zum Thema „Uhren“ im Rahmen des Projekts „Kultur macht fit“

Meine Aufgaben im FSJ waren sehr vielseitig. Besonders gefiel mir die Arbeit in der Museumspädagogik. Dabei machten mir vor allem Führungen und Kindergeburtstage riesig Spaß. Aber auch das Projekt „Kumfi“ (Kultur macht fit) war ein Abenteuer für mich. Ich durfte in diesem Projektrahmen in verschiedene Grundschulen in Villingen-Schwenningen gehen und mit den Kindern zwei Schulstunden über das Thema Uhren reden. Da ich bisher immer nur auf der Seite des Schülers war, war diese Erfahrung etwas ganz Neues und Aufregendes für mich. Anfänglich war ich etwas unsicher, doch die Kinder nahmen mir mit ihrer leichten und lustigen Art ganz schnell die Ängste. Dennoch gab es eine Geschichte, die mich ganz schön ins Schwitzen brachte: Ich fuhr immer mit dem Bus zu den verschiedenen Schulen und dabei konnte es schon mal passieren, dass ich etwas länger warten musste. Das war im Grunde nicht schlimm, aber als ich mit dem Bus zur Grundschule nach Tannheim wollte, lag schon Schnee und es war frostig kalt. Nachdem ich eine gefühlte Ewigkeit gewartet hatte, kam endlich der lang ersehnte Bus. Glücklich lief ich auf diesen zu und schenkte dem Busfahrer ein dankbares Lächeln, doch anstatt die Tür aufzumachen und mich ins Warme zu lassen, fuhr dieser einfach weiter. Glücklicherweise fand ich dann eine andere Möglichkeit, nach Tannheim zu gelangen. Dem Busfahrer habe ich aber immer noch nicht verziehen.

Eine weitere Aufgabe in meinem FSJ war die Öffentlichkeitsarbeit. Dort durfte ich u.a. an Presseterminen teilnehmen. Zu einem kleinen Highlight wurde dabei der Pressetermin mit dem ehemaligen Skispringer Martin Schmitt. Durch die Öffentlichkeitsarbeit lernte ich viel Neues, darunter so etwas Banales wie einen Brief richtig zu beschriften, einen Serienbrief zu erstellen oder eine Pressemitteilung zu verfassen. Jeden Morgen war ich für den Pressespiegel zuständig. Das bedeutete, dass ich die drei örtlichen Zeitungen las und dann die Artikel, die etwas über das Franziskanermuseum berichteten, an meine Kollegen verschickte. Da ich noch nie ein Zeitungsleser war, eröffnete sich für mich eine ganz neue Welt. Das neu erworbene Wissen über den täglichen Stand der Dinge berichtete ich am Abend stolz meiner Familie.

Anna-Tabea Aberle und Ex-Skisprungweltmeister Martin Schmitt

An der Arbeit im Bereich des Sekretariats fand ich auch Gefallen. Ich ergänzte oder erstellte Listen, bearbeitete Führungsbestätigungen, führte das Protokoll in der Dienstbesprechung und übernahm das Sekretariat im Krankheitsfall. Die Übernahme des Sekretariats war allerdings eine ganz schöne Herausforderung, aber durch die Hilfe und gute Einarbeitung durch meine Kollegen konnte ich auch das gut managen. Auch Tätigkeiten, die mir am Anfang schwer fielen, gingen mir mit der Zeit leicht von der Hand, beispielsweise der Telefondienst. Während das Telefonieren früher nie zu meinen Stärken gehörte, kann ich heute souverän und selbstbewusst Gespräche führen.

Große Freude bereitete mir die Arbeit mit Frau Sahl. Die Inventarisierung von Krippenfiguren und die Arbeit im Depot faszinierten mich. Lediglich der monatliche Rundgang im Museum, um einen Austausch von Klimablättern vorzunehmen, bereitete mir laufend Bauchschmerzen. Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die, nachdem sie einen etwas unheimlicheren Film gesehen hat, die Bilder nie mehr aus dem Kopf bekommt. Die Figuren, Puppen oder Steinköpfe, die mich laufend anstarrten, während ich alleine durchs Depot ging, regten meine Fantasie an und sorgten dafür, dass ich panisch immer nach hinten blickend durch das Museum wuselte und beim kleinsten Geräusch fast in Ohnmacht fiel. Zum Glück sah mich dabei keiner…

Da kann einem schon mal unheimlich werden: Skulpturensammlung im Museumsdepot

Eine tolle Erfahrung war es auch, eine Ausstellungsplanung und deren Umsetzung mitzubekommen. Als Besucher sieht man meist nur das fertige Produkt, aber was alles an Arbeit dahinter steckt, kann man sich gar nicht vorstellen. In den Zeiten war immer sehr viel zu tun, aber wenn man dann fertig war, fühlte man sich richtig gut. Ich habe mehrere Ausstellungen miterleben dürfen, aber die Ausstellung der Fastnachtsfiguren von Ingeborg Jaag fand ich besonders schön.

Mein großes Abschlussprojekt war die Organisation und Durchführung des Kinderferienprogramms. Als Thema wählte ich das Mittelalter. Da mein Wissen über das Mittelalter selbst nicht so riesig war, war der erste Schritt für mich: Wissen zum Thema Mittelalter aneignen. Als nächstes entwarf ich einen Zeitplan, schrieb Texte, bastelte, suchte Ideen zusammen und plante, welche Materialien ich brauchte. Dabei konnte ich immer auf die Hilfe meiner Kollegen zählen. Dann war es soweit. Mit drei weiteren Helfern und 21 Kindern konnte es losgehen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, die beiden Tage gingen wie im Flug vorbei. Es war ganz schön anstrengend, den ganzen Tag auf so viele Kinder aufzupassen und sie gleichzeitig zu unterhalten, aber es hat trotzdem wahnsinnig Spaß gemacht und ich würde es jederzeit wieder tun.

Anna-Tabea Aberle posiert mit zwei Kolleginnen in der Fotobox beim Museumsfest „Oh, wie schön ist Austria“

Als Fazit kann ich nur sagen, dass ich sehr glücklich über die Entscheidung bin, mich für ein FSJ im Franziskanermuseum entschieden zu haben. Ich habe viel Neues kennengelernt, neue Erfahrungen gemacht, bin eigenständiger geworden und habe tolle Menschen kennengelernt.

Und für alle, die sich nun fragen, was ich nach meinem FSJ machen werde: Ich werde Lehramt in Freiburg studieren. Die Arbeit mit Kindern in meinem FSJ hat mir gezeigt, was ich machen möchte und was mir Freude bereitet. Für mich hat sich mein FSJ auf jeden Fall gelohnt!

Anna-Tabea Aberle